„#DNF“ und was dahinter steckt – Rennbericht von Raphael Otto

Der Wecker klingelt um 4:20 h die Sprints und Intervalle ab 18:00 h. Schön und einfach ist anders, aber wer #hartfahren predigt, der darf sich nicht verstecken!

Das waren also der Dienstag und der Mittwoch. Der Donnerstag war einfach, denn da habe ich nach der Arbeit nix gemacht.

Freitag war die Zeit da, aber mein Körper hat mir leise gesagt, dass ich es vielleicht bei einer Stunde belassen soll. Damit das schlechte Gewissen keine Überhand gewinnt habe ich dann die Beine schnell bewegt.

Samstag früh um 7:00 Uhr, nüchtern Vorbelastung und ein sehr gutes Gefühl. Sehr sehr gut. Von Beginn an fühle ich mich gut. Die Moral kommt und ich spule haargenau das runter, was ich auch runterspulen wollte.

 

Renntag: Gut geschlafen, aber das wars dann auch. Ich fühle mich gar nicht so, wie noch gestern. Erstmal Kaffee. Hilft nicht! Noch einen…. Der hilft auch nicht.

Meine Kinder haben zunächst auch keine Lust mitzukommen und meine Lust gleicht sich dem restlichen Körpergefühl an. . . . . Dann bleib ich auch zu Hause!

Neeeeeeein! Wir fahren doch mit! OK. Dann wie immer und alles parat gemacht.

 

Angekommen in Quadrath-Ichendorf. Viel hat sich nicht verändert. Das Martinswerk am Ortseingang arbeitet noch. Genau wie vor 29 Jahren, als ich zum ersten mal hier war.

Und die Zielgerade hat auch keiner gerade gebogen.

Auf dem Weg zur Nummernausgabe laufe ich direkt in die Armen von Sprecherlegende Udo Bährens! Der mich bei guter Gesundheit noch erkennt und lacht, als ich ihm erzähle dass ich es eben

doch nicht lassen kann. Der saß vor 29 Jahren aber im Sprecherwagen. Vermutlich neben Karl-Heinz Schöneborn und Heinrich Fischer………

 

Beim Warmfahren hat sich mein Gefühl nicht großartig gebessert. Ich habe nicht nur ein mieses Feeling, sondern auch noch ein „mieses Bein dran“, wie man im Fachjargon sagt.

Denn bei mir ist das so, dass das nicht immer übereinander passen muss! Da kann das Gefühl mies sein, aber die Beine gut oder sogar sehr gut. Oder auch das Gefühl gut, aber die Beine mies.

Oder beides, also Bein und Gefühl sind nicht gut, aber ich kann trotzdem treten wie irre……. Es ist kompliziert und die gerade herrschende Situation ist blöde.

Im Hinterkopf eine Äußerung, die mir im Vorfeld tief unter die Haut gegangen ist. Die lautete etwa: „Das schaffst du niemals mehr da vorne zu fahren….!“ Also ich habe sie so „verstanden“ und wie

schon erwähnt, habe ich an der Stelle ziemlich dünne Haut. In der Summe, also: Das miese Feeling, das miese Bein und die Äußerung die ich nicht souverän abtun konnte: Nicht die Besten Voraussetzungen sich mit Jungs zu messen die nicht nur dieses Jahr mehr Rad und mehr Rennen gefahren sind als ich*, sondern auch die letzten 10 Jahre. Egal.

 

Start und es ist zunächst nicht so schlimm wie befürchtet. Aber souverän, oder wie man das auch nennen will, ist auch anders. Position fahren gut, aber ich treffe die Zielkurve nie.

Einigermaßen vorne fahrend muss ich fast anhalten, als direkt vor mir Andre Kahrger ( Gute Besserung an dieser Stelle! ) in den Asphalt eintaucht und das – wie sich später herausstellt – mit gebrochenen Ellbogen und gebrochenen Schlüsselbein bezahlt.

Ich fahre hinten. Das macht es nicht besser. Ich finde keinen Rhythmus, oder das was da Rhythmus ist, ist für mich gefühlt an der falschen Stelle. Meine Kinder machen mir derweil jede Runde Mut und hoffen genau wie ich, dass das noch wird.

Tief in mir weiß ich, dass das totaler Quatsch ist und es bestimmt nix mehr wird. Heute nicht. Dann reißt das Feld auseinander und ich ekel mich auf der letzten Rille zur 20 Mann starken Gruppe hin. Finde schnell etwas Moral aber eben immer noch keinen Tritt. Wir werden wieder eingeholt und ich ekel mich über die nächsten Runden. Das Tempo – hoch und fies – reißt das ganze Feld ziemlich nah hinter mir auseinander. Das raffe ich erst als der ein oder andere der eben noch im Rennen war am Straßenrand steht und von dort aus beobachtet, was sich bei den anderen tut. Bei mir tut sich nix. Im Finale habe ich keinerlei Werkzeug um auch nur irgendwas zu machen! Ich bin froh, als ich die Glocke zur letzten Runde höre und ausrollen kann. Merke: Darf ich auch nicht mehr machen weil Frau und vor allem Kinder dann vermuten, dass der Papa hingefallen ist!

Ich bin froh das es rum ist.

 

Heute bin ich fies erkältet und habe vielleicht die Erklärung für das miese Feeling.

 

*Gruß an Jupp!

Veröffentlicht unter Rennen

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